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Ġilda • Benesseri • Ħajja wara l-40 sena

Nicht wie geplant und trotzdem unseres
Was mich vier Jahre als Single Mum über Zweifel, Stärke und Neuanfänge gelehrt haben
Seit vier Jahren sind meine Töchter und ich nun unser eigenes kleines Team. Wenn ich diese Zahl schreibe, klingt sie gleichzeitig lang und erstaunlich kurz. Ein Teil dieser Zeit ist wie im Flug vergangen, während sich andere Wochen so angefühlt haben, als hätten sie mehr als sieben Tage.
Es waren vier Jahre voller Entscheidungen, Rechnungen, Schultermine, Wäscheberge, Sorgen, kleiner Katastrophen und großer Gefühle. Dabei tat ich oft so, als hätte ich alles halbwegs unter Kontrolle, obwohl das längst nicht immer der Fall war.
Offenbar hatte ich aber genug im Griff, denn wir sind noch da. Meine Töchter und ich sind nicht an jedem Tag ausgeruht und unser Alltag ist selten perfekt organisiert. Gelegentlich ist sogar der Kühlschrank trotz Großeinkauf erstaunlich leer, aber wir sind zusammen und haben uns ein Leben geschaffen, das zu uns gehört.
Allein war ich schon vorher oft
Ganz neu war das Alleinsein im Alltag für mich nicht. Auch während unserer Beziehung war mein damaliger Partner durch seine Arbeit viel unterwegs und meistens nur an den Wochenenden zu Hause.
Unter der Woche organisierte ich schon lange vieles allein. Ich brachte die Kinder durch den Alltag, behielt Termine im Kopf, kümmerte mich um Schule, Einkäufe, Arztbesuche und all die kleinen Dinge, die niemand bemerkt, solange sie funktionieren.
Es funktionierte in der Regel, und wenn nicht, wurde eben improvisiert. Ich glaube, Mütter bekommen mit der Geburt ihres ersten Kindes heimlich auch einen Abschluss in Improvisation. Eine Urkunde gibt es dafür nicht, Augenringe dagegen schon.
Ich war also daran gewöhnt, Verantwortung zu tragen. Trotzdem war nach der Trennung alles anders.
Vorher gab es die Wochenenden. Da war die Aussicht, dass jemand zur Tür hereinkam. Da war zumindest die Hoffnung, eine Entscheidung teilen, Verantwortung abgeben oder einfach einmal sagen zu können: Jetzt bist du dran.
Nach der Trennung kam niemand mehr am Wochenende nach Hause.
Aus dem häufigen Alleinsein wurde ein endgültiges, und an die Stelle der Hoffnung auf Unterstützung trat das Wissen, dass ich selbst diejenige war, die alles auffangen musste. Diese Endgültigkeit tat mehr weh, als ich zunächst wahrhaben wollte.
Nicht nur die Beziehung war vorbei. Auch die Vorstellung von dem Leben, das wir als Familie einmal führen wollten, löste sich auf. Während der Alltag weiterlief, musste ich innerlich erst einmal begreifen, dass dieses geplante Leben nicht mehr kommen würde.
Leider interessiert sich der Alltag wenig für gebrochene Herzen. Die Brotdosen wollen trotzdem gefüllt werden.
Am Anfang ging es nur ums Funktionieren
In der ersten Zeit hatte ich keine großen Pläne für einen Neuanfang. Ich wollte mich nicht neu erfinden, zu mir selbst finden oder plötzlich die beste Version meiner selbst werden.
Ich wollte morgens aufstehen, den Tag schaffen und abends alle halbwegs unbeschadet wieder ins Bett bekommen.
Ich funktionierte für meine Kinder, für meinen Beruf und für alles, was erledigt werden musste. Ich schrieb E Mails, ging einkaufen, löste Probleme und traf Entscheidungen. Von außen sah das vermutlich ziemlich normal aus, obwohl es sich in mir oft ganz anders anfühlte.
Erst abends, wenn endlich Ruhe eingekehrt war, spürte ich, wie müde ich wirklich war. Dann saß ich da und wusste nicht, ob ich die Stille genießen oder einfach losweinen sollte. An solchen Abenden nahm mir Netflix wenigstens diese Entscheidung ab.
Ich wollte meinen Töchtern Sicherheit geben, obwohl ich mich selbst nicht immer sicher fühlte. Ich wollte ihnen zeigen, dass unser Leben weiterging, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie dieses neue Leben eigentlich aussehen sollte.
Also machte ich weiter. Einen Tag nach dem anderen. Nicht heldenhaft und nicht immer mit einem Lächeln. Aber ich machte weiter.
Wir drei gegen den Rest der Wäsche
Es waren nicht die großen Wendepunkte, die uns durch diese Zeit getragen haben. Es waren die kleinen Dinge.
Ein gemeinsames Essen am Abend. Ein Gespräch zwischen Tür und Angel. Ein Film auf dem Sofa. Ein Lachen genau in dem Moment, in dem eigentlich niemandem danach war.
Und diese Augenblicke, in denen wir drei uns ansehen und ohne viele Worte wissen: Wir gehören zusammen.
Wir nennen uns gern die drei Gilmore Girls. Nicht, weil unsere Gespräche immer so schnell und geistreich sind wie in der Serie. Unsere Kommunikation besteht durchaus auch aus einem Augenrollen, einem gedehnten „Mama“ und der Frage, wer schon wieder eine leere Packung zurück in den Kühlschrank gestellt hat. Trotz solcher kleinen Meinungsverschiedenheiten sind wir ein Team.
Kein perfekt organisiertes Vorzeigeteam. Eher eines, das sich zwischendurch gegenseitig auf die Nerven geht, Türen etwas zu energisch schließt und sich später doch wieder zusammen auf das Sofa kuschelt.
Diese kleinen Rituale gaben uns Halt. Sie mussten nicht besonders sein. Sie mussten nur immer wieder da sein.
Ich habe gelernt, dass ein Zuhause nicht dann sicher ist, wenn alles ordentlich ist. Zum Glück, denn sonst hätten wir ein ernstes Problem. Ein Zuhause ist sicher, wenn man darin traurig, wütend, albern und ganz man selbst sein darf.
Die Last, die niemand sieht
Alleinerziehend zu sein bedeutet für mich nicht nur, viele Aufgaben allein zu erledigen. Das hatte ich schon vorher getan.
Es bedeutet, die Verantwortung für unzählige Entscheidungen zu tragen, ohne im Hintergrund noch dieses selbstverständliche Wir zu haben.
Was ist richtig für die Kinder? Wo muss ich konsequent sein? Wann braucht es Geduld? Wie fange ich ihre Sorgen auf, wenn meine eigenen gerade besonders laut sind? Und wie schaffe ich es, bei all dem nicht selbst irgendwo verloren zu gehen?
Diese Fragen stehen in keinem Kalender und nehmen trotzdem viel Raum im Kopf ein.
Niemand sieht, wie oft man nachts noch über ein Gespräch nachdenkt. Niemand hört die Fragen im Kopf, während man morgens Kaffee kocht und gleichzeitig versucht, sich an das Passwort für irgendein Schulportal zu erinnern.
Es gab Tage, an denen ich mich stark fühlte. Und es gab Tage, an denen eine zusätzliche E Mail gereicht hätte, um mich aus der Fassung zu bringen.
Heute weiß ich, dass beides nebeneinander bestehen darf. Ich kann viel tragen und trotzdem erschöpft sein. Ich kann stark sein und mir dennoch wünschen, dass mich auch einmal jemand auffängt.
Mit der Zeit wurde ich sicherer. Nicht, weil plötzlich alles leicht war, sondern weil ich sah, was ich schon geschafft hatte.
Ich hatte schwierige Entscheidungen getroffen. Ich hatte Krisen bewältigt, von denen ich vorher dachte, dass sie mich umwerfen würden. Ich hatte Fehler gemacht und trotzdem Wege gefunden, sie wieder geradezurücken.
Mit der Zeit begann ich, mir selbst mehr zuzutrauen. Die Zweifel waren dadurch nicht verschwunden, aber ich hatte inzwischen oft genug erlebt, dass ich auch dann weitermachen konnte, wenn ich vorher noch keine Ahnung hatte, wie. Meine Lösungen waren nicht immer elegant, doch am Ende funktionierten sie.
Ich stand viel zu lange ganz hinten
Eine der schwierigsten Lektionen war, mich selbst wieder wahrzunehmen.
Lange stand ich ganz hinten auf meiner eigenen Liste. Erst die Kinder, dann die Arbeit, dann der Haushalt und alles, was sonst noch dringend schien. Wenn danach noch etwas von mir übrig war, durfte ich mich um mich kümmern.
Nur blieb meistens nicht mehr besonders viel übrig.
Irgendwann verstand ich, dass kleine Auszeiten kein Luxus sind. Ein Spaziergang am Rhein, ein Kaffee in Ruhe oder ein Abend, an dem ich einfach nichts mehr leisten muss, lösen nicht alle Probleme.
Aber sie geben mir für einen Moment das Gefühl zurück, nicht nur Mutter, Organisatorin, Fahrdienst, Kummerkasten und Person mit angeblich magischen Fähigkeiten zum Wiederfinden verschwundener Dinge zu sein.
Dabei erinnerte ich mich langsam daran, dass es neben all meinen Aufgaben auch noch mich gab. Das klingt selbstverständlich, war es für mich aber lange nicht.
Bis heute muss ich mich daran erinnern, dass ich nicht erst alles erledigt haben muss, bevor ich eine Pause verdient habe. Denn seien wir ehrlich: Alles erledigt ist in einem Familienhaushalt ungefähr so realistisch wie ein Wäschekorb, der dauerhaft leer bleibt.
Der Vergleich mit seinem heutigen Leben
Unser Leben nicht mehr daran zu messen, wie es einmal geplant war, wäre für mich ein großer Erfolg. Ganz ehrlich gesagt gelingt mir das bis heute nicht immer.
Wenn ich sehe, wie mein Expartner heute lebt, kommen die Zweifel zurück. Heute arbeitet er von zu Hause, ist für seine Partnerin und deren Sohn da und lebt scheinbar genau den Alltag, den ich mir damals auch gewünscht hätte.
Dann frage ich mich, warum das bei uns nicht möglich war.
Warum war er damals so viel unterwegs und heute ist er da? Warum bekommt eine andere Frau diese Nähe und diesen gemeinsamen Alltag? Und warum habe ich so lange versucht, mit so wenig Gemeinsamkeit zufrieden zu sein?
Dabei taucht noch immer diese eine schmerzhafte Frage auf: Lag es an mir?
Dann werden all die Zweifel laut, die mich schon seit meiner Kindheit begleiten. War ich zu laut oder zu leise? Zu unscheinbar oder zu zweifelnd? War ich zu viel oder nie genug?
Diese Fragen kennen den Weg zu mir sehr gut. Sie brauchen nicht einmal mehr ein Navi.
Ich weiß inzwischen, dass sie nicht automatisch die Wahrheit erzählen. Trotzdem fühlen sie sich in manchen Momenten sehr echt an.
An diesen Zweifeln arbeite ich jeden Tag ein wenig. Ich lerne, meinen Wert nicht daran zu messen, was ein anderer Mensch mir damals nicht geben konnte und heute jemand anderem gibt. Sein heutiges Leben sagt nichts darüber aus, ob ich damals liebenswert genug war.
Und trotzdem wäre es gelogen zu behaupten, dass mich der Vergleich nicht mehr berührt.
Ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem ich alles nur mit einem weisen Lächeln betrachten kann. An manchen Tagen gelingt es mir besser. An anderen sitzen die alten Zweifel wieder ungefragt mit am Frühstückstisch.
Mein Erfolg muss nicht darin bestehen, nie wieder zu zweifeln. Es reicht schon, wenn ich die alten Fragen erkenne und ihnen nicht mehr jedes Wort glaube.
Nach vier Jahren ist vieles anders
Auch heute gibt es Tage, an denen mir die Verantwortung zu viel wird. Es gibt Situationen, in denen ich mir jemanden an meiner Seite wünsche, der einfach sagt: Ich kümmere mich darum.
Nicht als große Rettung. Einfach als Entlastung.
Ich wünsche mir durchaus, nicht immer diejenige sein zu müssen, die den Überblick behält. Wobei meine Töchter vermutlich behaupten würden, dass ich den ohnehin nicht durchgehend habe.
Wie schwer diese Verantwortung wiegen kann, habe ich erst vor Kurzem wieder gespürt. Wir saßen am Flughafen in Thessaloniki und wollten einfach nur nach Hause. Nach mehreren Stunden Verspätung durften wir endlich ins Flugzeug steigen.
Ich dachte schon, jetzt hätten wir es geschafft.
Dann kam die Durchsage: Der Flug wurde annulliert. Also wieder raus aus dem Flieger, Koffer holen und dann?
Kurz darauf kam eine E Mail der Fluggesellschaft. Unser neuer Flug sollte am nächsten Tag zur gleichen Zeit gehen. Meine Kinder waren durch. Ich war durch. Nur leider war niemand da, der mir die Frage abnahm, wie wir jetzt nach Hause kommen sollten.
Ich suchte nach früheren Flügen, nach anderen Verbindungen und vermutlich zwischendurch auch nach einem kleinen Wunder. Aber kein Flug hatte mehr Plätze frei. Also verbrachten wir die Nacht am Flughafen. Schlafen wäre dafür allerdings ein ziemlich großzügiges Wort.
Während meine Töchter versuchten, es sich irgendwie bequem zu machen, liefen in meinem Kopf die Möglichkeiten weiter. Wo sollten wir hin? Wie würden wir nach Hause kommen? Was, wenn auch der nächste Flug nicht ging?
In solchen Momenten würde ich gern sagen können: Kümmere du dich bitte darum. Aber da war kein Du. Also suchte ich weiter.
Am nächsten Tag ging unser Flug tatsächlich. Allerdings nicht nach Köln, sondern nach Stuttgart. Wir waren damit zwar wieder in Deutschland, aber noch lange nicht zu Hause. Also begann die nächste Suche nach einer Lösung.
Am Ende wurde es ein Mietwagen, dazu ein Energydrink für mich und eine Tochter auf dem Beifahrersitz, die mich regelmäßig daran erinnerte: „Mama, du fährst zu schnell.“ Damit hatten wir immerhin einen eingebauten Tempomat, der sehr zuverlässig funktionierte.
Ich war erschöpft, angespannt und wollte nur noch nach Hause. Aber irgendwann standen wir tatsächlich wieder vor unserer eigenen Tür. Müde, zerknittert und heil.
In diesem Moment war ich nicht stolz oder besonders stark. Ich war vor allem erleichtert. Erst später wurde mir bewusst, was ich wieder geschafft hatte. Ich hatte keine fertige Lösung gehabt. Ich hatte mir Sorgen gemacht und zwischendurch am liebsten selbst jemanden angerufen, der uns einfach abholt. Trotzdem hatte ich eine Möglichkeit nach der anderen geprüft, bis eine davon funktionierte.
Aber inzwischen sehe ich auch, was in diesen vier Jahren gewachsen ist.
Meine Töchter sind größer geworden. Wir alle haben uns verändert. Wir haben gestritten, gelacht, geweint und immer wieder zueinandergefunden.
Wir haben aus einer Situation, die sich anfangs wie ein Ende anfühlte, einen neuen Alltag gebaut. Nicht auf einmal und schon gar nicht nach irgendeinem perfekten Plan.
Unser Zuhause muss nicht glänzen, um ein sicherer Ort zu sein. Ich muss nicht jede Antwort kennen, um eine gute Mutter zu sein. Und ich muss nicht jeden Tag stark wirken, um stark zu sein.
Stärke zeigt sich nicht nur in großen Entscheidungen. Sie kann auch bedeuten, morgens wieder aufzustehen oder abends zuzugeben, dass heute wirklich nichts mehr geht und das Essen deshalb aus dem besteht, was der Kühlschrank freiwillig hergibt.
Unser Leben heute
Wenn ich heute auf die vergangenen vier Jahre zurückblicke, sehe ich nicht nur die Frau, die funktioniert hat.
Ich sehe eine Frau, die müde war und trotzdem weiterging. Die Angst hatte und Entscheidungen traf. Die zweifelte und ihren Töchtern dennoch Halt gab. Die Fehler machte, neu anfing und sich Stück für Stück ein Leben aufbaute, das heute wirklich ihres ist.
Lange ging es hauptsächlich darum, den Alltag zu bewältigen und den nächsten Tag zu schaffen. Irgendwann bemerkte ich, dass unser Leben nicht mehr nur aus Funktionieren bestand. Es war wieder Platz für gemeinsame Abende, für Pläne, für Lachen und auch für die Tage, an denen ich mich selbst erst wieder einsammeln musste.
Dieses Leben ist anders als das, das ich einmal geplant hatte. Es enthält offene Fragen und alte Zweifel, aber ebenso viel Nähe, Verlässlichkeit und gemeinsame Geschichte.
Aber auch mit mehr Vertrauen, einem festeren Stand und zwei Töchtern an der Seite, die aus einem unvollkommenen Alltag etwas ganz Eigenes und Wertvolles gemacht haben.
Unser heutiges Leben ist nicht auf einmal entstanden. Es hat sich aus gemeinsamen Abenden, überstandenen Krisen, ehrlichen Gesprächen und all den Situationen zusammengesetzt, in denen wir miteinander lachen konnten, obwohl der Tag eigentlich längst genug hatte.
Falls du gerade erst am Anfang stehst, musst du heute noch nicht wissen, wie du die nächsten vier Jahre schaffen sollst.
Es reicht, den Alltag so zu nehmen, wie er gerade kommt, und nur das zu lösen, was heute wirklich vor dir liegt.
Mit der Zeit wirst du zurückblicken und erkennen, wie viel du längst geschafft hast.