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Mama fährt. Immer.

Ich bin inzwischen ziemlich sicher, dass mein Auto und ich in einer festen Beziehung leben. Wir verbringen täglich Stunden miteinander, kennen jede Abkürzung der Umgebung und sind gefühlt ständig in Bewegung, nur romantisch ist das Ganze leider nicht.

Denn mit zwei Teenagern besteht mein Alltag im Grunde nur noch aus Fahrplänen, spontanen Planänderungen und Nachrichten, die grundsätzlich in dem Moment aufblinken, in dem man gerade den Motor abgestellt hat.

„Mama, kannst du mich kurz fahren?“

 

Dieses kleine Wörtchen „kurz“ ist dabei besonders faszinierend. Manchmal bedeutet es tatsächlich nur fünf Minuten, oft schließt es aber auch eine halbe Stunde Fahrtzeit, einen Boxenstopp an der Tankstelle und einen völlig spontanen Umweg mit ein, ich weiß es vorher einfach nie.

Noch spannender wird es, wenn konkrete Zeiten vereinbart werden. „Ich bin um sechs fertig“, heißt es dann. Um sechs, nicht kurz nach sechs, nicht halb sieben und erst recht nicht irgendwann zwischen Abendessen und Schlafengehen. Als Mama lernt man allerdings schnell, solche Angaben eher als grobe Orientierungshilfe zu betrachten. Und so sitze ich eben im Auto, warte und beobachte das Leben auf dem Parkplatz. Ich sehe die anderen Eltern, die ebenfalls im Cockpit ausharren, nickt sich schmunzelnd zu und muss kein Wort verlieren. Man erkennt sich einfach: die stumme Leidensgenossenschaft der Taxi-Mamas. Wahrscheinlich könnten wir inzwischen einen eigenen Verein gründen.

Besonders beeindruckend ist übrigens die Fähigkeit von Teenagern, im Bruchteil einer Sekunde ihren Standort zu wechseln. Ich steuere gerade den vereinbarten Treffpunkt an, da ploppt die Nachricht auf: „Wir sind doch woanders.“ Natürlich seid ihr das, warum sollte auch einmal etwas nach Plan laufen?

Manchmal frage ich mich, wie viele Kilometer ich in den letzten Jahren nur für Freundinnen, Geburtstage, Shoppingtouren oder Schulveranstaltungen zurückgelegt habe. Vermutlich könnte ich mit der Summe inzwischen mehrere Urlaubsreisen finanzieren. Oder zumindest eine sehr ordentliche Tankkarte für die kommenden Jahre.

Und trotzdem gibt es diese Momente, die ich heimlich unheimlich mag: die Gespräche im Auto.

Diese zufälligen fünf oder zehn Minuten, in denen auf dem Beifahrersitz plötzlich erzählt wird, was gerade wirklich wichtig ist. Geschichten von Freunden, Lehrern, großen Träumen, kleinen Sorgen oder dem neuesten Drama, ganz nebenbei, ohne großes Nachfragen, einfach so aus dem Nichts heraus.

Vielleicht ist mein Auto deshalb längst mehr als ein reines Fortbewegungsmittel. Es ist Besprechungsraum, Kummerkasten, Lachzentrale und manchmal auch eine improvisierte Snack-Bar. Die Krümel unter den Sitzen liefern jedenfalls genügend Beweise dafür. Und auch wenn ich mich gelegentlich wie ein Full-Time-Chauffeur fühle, weiß ich genau, dass diese Zeit irgendwann vorbei ist. Dann fahren sie selbst und brauchen mich nicht mehr für jeden Weg.

Vermutlich werde ich dann irgendwann sonntags auf dem Sofa sitzen, auf mein stilles Handy schauen und denken: Heute hat mich noch niemand gefragt, ob ich kurz fahren kann.

Und wahrscheinlich werde ich dieses wunderbare Chaos dann sogar ein kleines bisschen vermissen.

Mama Taxi
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