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Das Wort mit dem „Allein“

Es gibt Worte, die sich anfühlen wie eine zu enge Jacke. Man zieht sie an, weil es eben die offizielle Bezeichnung ist, aber man fühlt sich die ganze Zeit unwohl darin. Für mich ist „alleinerziehend“ so ein Wort.

Wenn man es googelt oder in Ratgebern liest, schwingt da oft diese extreme Polarisierung mit. Entweder wird man als bemitleidenswerte Heldin inszeniert, die den Alltag wie eine unfehlbare Maschine wuppt, oder als strukturelles Problem in irgendeiner Statistik.

Aber das echte Leben passt nicht in diese Schubladen.

Mein Leben ist nicht schwarz-weiß. Es ist oft einfach nur wahnsinnig voll. Und manchmal, wenn der Tag lang war, sitze ich abends in der Küche, starre auf den unaufgeräumten Tisch und frage mich, ob andere das eigentlich alles besser hinkriegen. Ob die eine geheime Formel haben für den Spagat zwischen dem Job, bei dem man voll da sein will, und den Teenager-Seelen zu Hause, die einen genau dann brauchen, wenn man eigentlich keine Kraft mehr hat.

Vor ein paar Tagen war wieder so ein Moment. Ich habe mich einfach mal hingesetzt und das aufgeschrieben, was oft im Kopf kreist, wenn die Haustür abends zugeht:

Alleinerziehend.

Irgendwie mag ich dieses Wort nicht besonders.

Es klingt nach stark sein müssen. Nach alles allein schaffen. Nach einer Frau, die immer weiß, was sie tut.

Die Wahrheit sieht bei mir meistens anders aus.

Sie besteht aus einem Vollzeitjob, zwei Teenagern, Wäschebergen, Fahrdiensten und der täglichen Frage, was wir eigentlich heute Abend essen.

Sie besteht aus Tagen, an denen ich alles geregelt bekomme. Und aus Tagen, an denen ich mich abends einfach nur aufs Sofa fallen lasse und für niemanden mehr erreichbar sein möchte.

Alleinerziehend zu sein bedeutet für mich nicht, alles allein zu können.

Es bedeutet, Verantwortung zu tragen. Entscheidungen zu treffen. Weiterzumachen, auch wenn man manchmal müde ist.

Aber es bedeutet auch, Teil eines kleinen Teams zu sein.

Wir drei gegen den Rest der Welt. Mit ganz viel Lachen, manchmal Chaos und einer Menge gemeinsamer Erinnerungen.

Und wenn ich heute auf meine beiden Mädchen schaue, dann weiß ich:

Perfekt habe ich vieles nicht gemacht.

Aber wir haben gemeinsam einen verdammt guten Weg gefunden.

Was das „Allein“ verschweigt

Was mich an dem Begriff am meisten stört, ist, dass er das Wichtigste unterschlägt: die Kinder.

Er tut so, als würde man eine Last einsam einen Berg hinaufschleppen. Aber Teenager sind ja längst keine passiven Passagiere mehr. Sie kriegen die Schwingungen im Haus genau mit. Sie merken, wenn die Luft raus ist.

Und das Schöne ist: Sie fangen an, den Raum mitzutragen.

Ein Team zu sein bedeutet nicht, dass die Kinder die Aufgaben von Erwachsenen übernehmen müssen. Es bedeutet, dass eine ganz eigene, feine Dynamik entsteht. Es sind die unaufgeforderten Umarmungen in der Küche, der geteilte Humor über das misslungene Abendessen oder das schweigende Nebeneinandersitzen auf dem Sofa, weil alle gerade einen langen Tag hatten.

Verantwortung zu tragen ist manchmal einsam, ja. Die großen Entscheidungen liegen am Ende bei mir. Aber das alltägliche Leben? Das teilen wir uns. Auf unsere Weise.

Wir müssen nicht perfekt sein, um unseren Kindern ein gutes Zuhause zu geben. Vielleicht ist es sogar viel wertvoller für sie zu sehen, dass man müde sein darf, dass man Fehler macht – und dass man trotzdem zusammenhält und einen Weg findet. Einen Weg, der vielleicht nicht im Lehrbuch steht, aber der sich für uns genau richtig anfühlt.

Ich glaube, wir dürfen uns alle ein bisschen mehr Raum geben für die unperfekten Tage.

 

Wie geht es dir, wenn du auf deinen Alltag blickst? Spielst du noch die Rolle der „starken Frau“, oder darf es bei dir auch mal das Sofa und das absolute Chaos sein?

Alleinerziehend
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